Naturverträgliche Wiesenpflege

Die Abteilung Grünflächen der Stadt Ulm unterhält ca. 590 ha Flächen.
Diese teilen sich auf in 220 ha Verkehrsgrün, 180 ha öffentliches Grün (Garten- und Parkanlagen), 140 ha Landschaftspflegeflächen und 50 ha Spielplatzflächen (225 Spielplätze).

2015 ist die Stadt Ulm dem Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" beigetreten.
"Ziel des Bündnisses ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt und die Unterstützung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Kommunen sind dabei besonders wichtige Partner, da ihr Handeln vor Ort für den Erhalt der biologischen Vielfalt entscheidend ist. ....."
https://buergerinfo.ulm.de/vo0050.php?__kvonr=3906

Die Abteilung Grünflächen bemüht sich seit längerem, die ökologischen Funktionen des „Stadtgrüns“ zu stärken und stellte 2018 ein "Wiesenprogramm" für Ihre Flächen auf.

Ziel des Programms ist es, die Wiesenpflege schrittweise vom Mulchen hin zur naturverträglichen Wiesenpflege umzustellen, um die Artenvielfalt auf den Wiesen zu erhöhen und die Biodiversität in der Stadt zu verbessern.

Im Stadtgebiet werden derzeit ca. 100 ha städtische Wiesenflächen naturverträglich gepflegt, davon:

  • 70 ha Schafweideflächen in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde (SUBV) und
  • 30 ha öffentliche Grünflächen, Verkehrsgrünflächen und Landschaftspflegeflächen im Auftrag der Abteilung Grünflächen. 

Davon werden in Böfingen derzeit ca. 18 ha Wiesenflächen naturverträglich gepflegt:

  • 13 ha Schafweideflächen,
  • 5 ha öffentliche Grünflächen, Verkehrsgrünflächen und Landschaftspflegeflächen.

Die Finanzierung des erhöhten Pflegeaufwandes durch Abfuhr und Entsorgung des Mähguts erfolgt über:

  • den Regelunterhalt der Abteilung Grünflächen (12 ha Öffentliche Grünflächen),
  • einen dauerhaften Sonderfaktor (50.000 €), den der Gemeinderat 2018 beschlossen hat (13,5 ha Öffentliche Grünflächen) und
  • ein 2-jähriges Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (5,6 ha Verkehrsgrünflächen).

Noch für 2019 plant die Abteilung Grünflächen die Umwandlung einer Mulchwiese in eine extensiv gepflegte Wiese am Böfinger Weg. Auf ca. 2 000 m² sollen neben der Pflegeumstellung zusätzlich geeignetes regionalisiertes Saatgut als Initialansaat eingebracht werden.

Die Grünfläche südlich der Fußgängerunterführung am Alfred-Delp-Weg über die Eugen-Bolz-Straße bis zur Böfinger Steige soll auf Anregung des Arbeitskreises Bau/Verkehr/Umwelt der Regionalen Planungsgruppe künftig ebenfalls extensiv gepflegt werden.

Im Rahmen des Wiesenprogramms hat die Abteilung Grünflächen weitere 70 ha ausfindig gemacht, auf denen eine Pflegeumstellung im Stadtgebiet grundsätzlich möglich sein könnte (vorbehaltlich einer eingehenden weiteren Prüfung). Hierzu fehlen jedoch die nötigen finanziellen und personellen Mittel.

Damit sich die gewünschten Wildblumen, -gräser und/oder -kräuter richtig entwickeln können, müssen sie entsprechend gepflegt und zurückgeschnitten werden. Als naturverträglichste Wiesenpflege hat sich die 1- bis 2-schürige Mahd (einschließlich Abfuhr und Entsorgung des Mahdguts) herausgestellt.

Das Entwicklungsziel einer Wiese (Blumenwiese, Kräuterwiese, Magerwiese ...) bestimmt dabei den richtigen Zeitpunkt der Mahd (mitunter kann auch ein Rückschnitt "in voller Blüte" sinnvoll sein). Ein geeigneter Zeitpunkt für den ersten Schnitt könnte z.B. die Gräser- bzw. Margeritenblüte sein. Das Schnittgut sollte nach der Mahd einige Tage liegen bleiben, damit sich die Wiese natürlich verjüngen kann. Damit die Insekten in nicht gemähte Bereiche ausweichen können, sollten Altgrasstreifen stehen gelassen werden. Hierauf weist die Stadt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie externen Dienstleister regelmäßig hin.
Zur Aushagerung der Standorte ist es notwendig, das Schnittgut abzutragen und zu entsorgen.

Die extensive Pflege verursacht ungefähr die zehnfachen Kosten der einfachen Mulchpflege. Die Dienstleister müssen für die verschiedenen zusätzlichen Arbeitsschritte die entsprechenden Geräte anschaffen. Darüber hinaus ist die Schnittgutentsorgung nicht nur ein Preis-, sondern auch ein Mengenproblem. Aufgrund von Stoffeinträgen (Straßenverkehr, Müll, Hundekot ...) kann man das anfallende Material nicht immer landwirtschaftlich verwerten, sondern es muss entsprechend entsorgt werden.

Auch Anwohner müssen mit einbezogen werden, damit nicht der Vorwurf erhoben wird, nun seien die Grünflächen „ungepflegt“.

Unterlagen zum Thema, auch die Planungskarte, finden sich auf der Seite der Stadt Ulm https://buergerinfo.ulm.de/vo0050.php?__kvonr=5460

U. Walz/C. Giers/ Fotos E. Hungele

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